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Lebensborn
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Der Lebensborn e. V. war in der Zeit des Nationalsozialismus ein von der SS getragener, staatlich gefĂśrderter Verein, dessen Ziel es war, auf der Grundlage der nationalsozialistischen Rassenhygiene und Gesundheitsideologie die ErhĂśhung der Geburtenziffer âarischerâ Kinder auch bei Unehelichkeit herbeizufĂźhren. Dies sollte durch das Abhalten unverheirateter Frauen und Mädchen von einem Schwangerschaftsabbruchcite-ref-1[1], durch das Anbieten von Entbindungen in Heimen (damit die Nachbarschaft nicht von der Schwangerschaft erfährt) und die anschlieĂende Vermittlung der Kinder zur Adoption â bevorzugt an Familien von SS-AngehĂśrigen â erreicht werden.
Der Lebensborn war daneben mitverantwortlich fĂźr die Verschleppung von Kindern aus den von Deutschland besetzten Gebieten. Falls diese im Sinne der nationalsozialistischen Rassenideologie als âarischâ galten, was akribisch untersucht wurde, wurden sie unter Verschleierung ihrer Identität in Lebensborn-Heime im Deutschen Reich oder in den besetzten Gebieten gebracht. Ziel war letztlich die Adoption durch parteitreue deutsche Familien.cite-ref-2[2] So wurden 13 der 98 vom Lidice-Massaker betroffenen Kinder fĂźr den Lebensborn selektiert, während die anderen ins Vernichtungslager Kulmhof deportiert und dort durch Gas ermordet wurden.cite-ref-3[3]
Contents
⢠Lebensborn-Heime
⢠Belgien
⢠Frankreich
⢠Niederlande
⢠Norwegen
⢠Ausstellung
⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠Belletristik
⢠Filme
⢠Simulationen
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Ideologische Grundlagen
Der Name leitet sich von dem nur noch in Ortsnamen und in der Dichtkunst oder in verschiedenen deutschen Dialekten erhaltenen, alten deutschen Wort âBornâ fĂźr âBrunnen, Quelleâ ab; er bedeutet daher etwa âLebensbrunnenâ oder âLebensquelleâ.
Der Lebensborn war ein Projekt Heinrich Himmlers, das sich vor allem an den beiden wichtigsten bevÜlkerungspolitischen Grundsätzen des Nationalsozialismus orientierte:
⢠Rettung der ânordischen Rasseâ vor dem (angeblich) durch Geburtendefizite bedingten drohenden Untergang mittels Steigerung der Geburtenrate
⢠qualitative Verbesserung des Nachwuchses unter âZuchtkriterienâ im Sinne der nationalsozialistischen Rassenhygiene (âEuthanasieâ, Zwangssterilisation, Heiratsverbote etc.)
Der Lebensborn gab als Anliegen die MĂźtterfĂźrsorge vor und grĂźndete Heime zur anonymen Entbindung, welche sich an MĂźtter in Not richteten. Dies entsprang jedoch keiner humanen Moral, sondern sollte im Sinne der âneuen Moralâ einer aktiven, rassistischen nationalsozialistischen BevĂślkerungspolitik einer ErhĂśhung der Geburtenrate dienen. Demzufolge wurden in den Heimen zumindest anfänglich nur ledige MĂźtter aufgenommen, die selbst und âbezĂźglich ihres Nachwuchsesâ den ârassenhygienischenâ Kriterien fĂźr SS-Bewerber entsprachen.
Geschichte und Organisation
Geburtenrate und NS-MaĂnahmen
Im Ersten Weltkrieg waren Ăźber zwei Millionen deutsche Soldaten und fast 1,5 Millionen aus Ăsterreich-Ungarn gefallen (siehe auch Demografie Deutschlands und Demografie Ăsterreichs). Die Geburtenrate in Deutschland war in der Zeit der Weimarer Republik deutlich unter das Bestandserhaltungsniveau gesunken. Ein Grund war die gesunkene Zahl von jungen Männern in der BevĂślkerung, weitere GrĂźnde waren die Inflation und die Hyperinflation 1923 und Anfang der 1930er Jahre die Weltwirtschaftskrise. In keinem anderen Industrieland gab es einen ähnlich hohen Einbruch in der Geburtenstatistik.
Heinrich Himmler, der âReichsfĂźhrer SSâ und Chef der Deutschen Polizei, ignorierte diese Fakten, legte nach Erhebungen des âHauptamtes fĂźr Volksgesundheitâ andere Zahlen vor und behauptete, die damals bei Strafe verbotenen SchwangerschaftsabbrĂźche wĂźrden einen GeburtenrĂźckgang verursachen. In einem Brief an OKW-Chef Wilhelm Keitel aus dem Jahr 1940 schätzte er die Zahl der jährlichen Abtreibungen auf bis zu 600.000, die dem Deutschen Reich als Nachwuchs verloren gingen. Ebenso seien âjährlich Hunderttausende wertvoller Mädchen und Frauen Opfer heimlicher, häufig steril machender Abtreibung. ⌠Das Ziel, jedoch, deutsches Blut zu schĂźtzen, ist auf das HĂśchste verpflichtend.âcite-ref-koop-28-5-0[5]
Um Anreize fĂźr mehr Geburten zu bieten, grĂźndete die Nationalsozialistische Volkswohlfahrt zunächst im März 1934 das âHilfswerk Mutter und Kindâ, das mehr als die Hälfte des gesamten Spendenaufkommens des Winterhilfswerks erhielt. Das âDeutsche Institut fĂźr Jugendhilfe e. V.â betreute uneheliche Kinder, deren Väter die Alimente nicht zahlten. EheschlieĂungen wurden mit zinslosen Ehestandsdarlehen von bis zu 1000 Reichsmark gefĂśrdert. Die Kreditlaufzeit betrug 100 Monate. FĂźr jedes lebend geborene Kind wurden 25 Prozent der Darlehenssumme erlassen.cite-ref-6[6] In der BevĂślkerung sprach man von der MĂśglichkeit, das Darlehen âabzukindernâ.cite-ref-humann120-7-0[7]
Auch die GrĂźndung des Lebensborn als konkurrierende SS-eigene, Himmler direkt unterstellte Organisation sollte die Geburtenrate steigern und ledige MĂźtter zum Austragen der Kinder bewegen. Himmler rechtfertigte in seinem Brief an Keitel die Existenz von Lebensborn und forderte, die Wehrmacht solle Lebensborn finanziell unterstĂźtzen. So wĂźrden âallein durch diese bevĂślkerungspolitische MaĂnahme in 18 bis 20 Jahren 18 bis 20 Regimenter mehr marschieren.âcite-ref-koop-28-5-1[5]
VereinsgrĂźndung und Satzung
Der Verein Lebensborn wurde am 12. Dezember 1935 auf Veranlassung Himmlers in Berlin gegrĂźndet, der darin von Otmar Freiherr von Verschuer beraten wurde. Die Organisation war als eingetragener Verein rechtlich selbständig, um als juristische Person Eigentumsrechte an Heimen usw. erwerben zu kĂśnnen und um auch Nicht-SS-AngehĂśrigen den Beitritt zu ermĂśglichen. Organisatorisch blieb der Verein der SS unterstellt. Himmler war Präsident. Finanziert wurde die Organisation durch Zwangsbeiträge der SS-AngehĂśrigen sowie die Zuweisung jährlicher Gewinnanteile der Anton Loibl GmbH.cite-ref-8[8] Kinderlose hatten die hĂśchste Abgabe zu entrichten, ab vier Kindern, egal ob ehelich oder unehelich, endete die Beitragspflicht. Diese MaĂnahme sollte SS-AngehĂśrige motivieren, ihren âvĂślkischen Verpflichtungenâ bezĂźglich Nachwuchs nachzukommen.
Gemäà der GrĂźndungssatzung diente der Verein âausschlieĂlich gemeinnĂźtzigen und wohltätigen Zecken mit dem Ziel:
1. rassisch und erbbiologisch wertvolle, kinderreiche Familien zu unterstĂźtzen,
2. rassisch und erbbiologisch wertvolle werdende Mßtter zu betreuen, bei denen nach sorgfältiger Prßfung der eigenen Familie und der Familie des Erzeugers durch den Verein anzunehmen ist, daà gleich wertvolle Kinder zur Welt kommen,
3. fĂźr diese Kinder zu sorgen,
4. fĂźr die MĂźtter der Kinder zu sorgen,
5. gemäà § 47 RJWG die Vereinsvormundschaft jeweils nach eigenem Ermessen zu Ăźbernehmen.âcite-ref-9[9]
Am 15. August 1936 erĂśffnete der Lebensborn sein erstes Heim, das âHaus Hochlandâ in SteinhĂśring bei Ebersberg in Oberbayern. Es hatte anfangs 30 Betten fĂźr MĂźtter und 55 fĂźr Kinder. Bis 1940 wurde die Bettenzahl verdoppelt.
Geschäftsfßhrer des Lebensborn war zunächst ab 1. Januar 1938 SS-Sturmbannfßhrer Guntram Pflaum und ab dem 15. Mai 1940 bis Kriegsende SS-Standartenfßhrer Max Sollmann; ärztlicher Leiter war von Anfang an SS-Oberfßhrer Gregor Ebner.
Aufnahmebedingungen
Frauen, die sich um Aufnahme bewarben, sollten laut Satzung des Lebensborn âin rassischer und erbbiologischer Hinsicht alle Bedingungen erfĂźllen, die in der Schutzstaffel allgemein geltenâ. Entsprechend mussten die Frauen die gleichen Anforderungen erfĂźllen wie jeder SS-Bewerber bei der Aufnahme in die SS und bei der Heirat:
⢠Vorzulegen war der âGroĂe Abstammungsnachweisâ, umgangssprachlich âAriernachweisâ, mit dem Nachweis der Vorfahren bis zum 1. Januar 1800, wie es fĂźr die NSDAP und ihre Untergliederungen galt.
⢠Ein âErbgesundheitsbogenâ mit Angaben Ăźber mĂśgliche erbliche Belastungen in der Familie war auszufĂźllen.
⢠Ein âärztlicher Untersuchungsbogenâ zum Nachweis der Gesundheit und zur ârassischen Beurteilungâ fasste die Untersuchungen durch SS-Ărzte, später wegen Ărztemangels auch durch andere zugelassene Ărzte, zusammen.
⢠Die Bewerberin musste einen Fragebogen zur Person, mit Fragen nach Beruf, Krankenversicherung, ParteizugehÜrigkeit, Heiratsabsicht usw., ausfßllen, dazu einen handgeschriebenen Lebenslauf mit Lichtbildern vorlegen.
⢠Unverheiratete werdende MĂźtter hatten auĂerdem eine eidesstattliche Versicherung abzugeben, dass der angegebene Mann der Vater des Kindes sei.
Sämtliche Unterlagen musste gleichfalls der werdende Vater einreichen. Ausgenommen waren SS-AngehÜrige nur, wenn die Heiratsgenehmigung fßr die Mutter bereits vom Rasse- und Siedlungshauptamt erteilt worden war.
Im Laufe des Krieges wurden die Aufnahmekriterien reduziert, so dass schlieĂlich etwa 75 Prozent der Anträge bewilligt wurden.
Betreuung in den Heimen
Als SS-eigene Organisation konnte der Lebensborn Entbindungen geheim halten. Eigene Standesämter und polizeiliche Meldeämter in den Lebensborn-Heimen durften eine Geburt nicht an die Heimatgemeinde der ledigen Mutter weitermelden.
War die Aufnahme bewilligt, konnte die Frau die Zeit der Schwangerschaft, auf Wunsch auch weit entfernt vom Heimatort, bis einige Wochen nach der Geburt des Kindes in einem Heim des Lebensborn zubringen. Bei ledigen MĂźttern Ăźbernahm der Lebensborn die Vormundschaft. Die Neugeborenen wurden in einem eigenen Zeremoniell mit einer Mischung aus pseudochristlichen, nationalsozialistischen und pseudogermanischen Riten unter Auflegung eines silbernen SS-Dolches unter der Hakenkreuzfahne âgetauftâ. Als Geschenk erhielten sie einen im KZ Dachau gefertigten Kerzenleuchter.cite-ref-abe-10-0[10]
Kinderverschleppung
Infolge des Krieges wuchs die âarische Eliteâ nur mäĂig. Daher befahl Himmler als Reichskommissar fĂźr die Festigung deutschen Volkstums am 19. Februar 1942 in Halensee mit der Anordnung 67/1, âarischâ aussehende, blonde und blauäugige Kinder aus besetzten Gebieten wie Polen zwecks âEindeutschungâ zu entfĂźhren.cite-ref-11[11] Demnach waren polnische geraubte Kinder dem RuSHA der SS, AuĂenstelle Litzmannstadt, zu melden, das die âEignungâ zur Eindeutschung feststellte. Die Angabe von Dorothy Macardle,cite-ref-macardle-235f-12-0[12] Posen sei diese Clearingstelle gewesen, ist falsch.
Weitere Kinder wurden in anderen besetzten Ländern geraubt, wie Frankreich und Jugoslawien; fĂźr die annektierten tschechischen Gebiete bildete ebenfalls Litzmannstadt die Clearingstelle, der NS-Arzt dort hieĂ Dongus. Die Kinder wurden vom Lebensborn aufgenommen und je nach Alter an private Pflegestellen bei SS-Familien, zur Adoption oder in Lebensborn-Heime weiter verschoben. Kleinere Kinder, etwa bis zu 6 Jahren, erhielten gefälschte neue Geburtsurkunden. Sie bekamen einen neuen Namen und durften nur noch Deutsch sprechen, um ihre Muttersprache zu vergessen. Falls sie nicht den Kriterien nach den âAriertabellenâ entsprachen, wurden sie in ein Vernichtungslager abgeschoben.cite-ref-abe-10-1[10] Von einer Aktion in Tschechien ist bekannt, dass 9 Kinder zur Germanisierung ausgesucht, 82 jedoch zur TĂśtung nach CheĹm in das Vernichtungslager Sobibor gebracht wurden.cite-ref-macardle-235f-12-1[12]
Während der Besetzung Jugoslawiens wurden Kinder slowenischer Widerstandskämpfer unter anderem nach Saldenburg, Kastl und Neustift bei Vilshofen (Gemeinde Ortenburg) verschleppt. Diese Kinder wurden unter Zwang von ihren Familien getrennt und aus Slowenien Ăźber Franken verteilt. Diese MaĂnahme diente nicht nur als Vergeltung, sondern auch dazu, die Lebensborn-Heime mit âarisierbarenâ Kindern aufzufĂźllen.cite-ref-13[13]cite-ref-14[14]
Pläne fßr die Nachkriegszeit
Bereits im Jahre 1942 hatte Himmler im Rahmen des Lebensborns den Bau von Einrichtungen geplant, die zum Zwecke der Kinderzeugung 400.000 Kriegerwitwen bzw. Frauen aufnehmen sollten, die kriegsbedingt keinen Partner finden wßrden. Dieses Vorhaben wurde im Oktober 1947 im Rahmen eines Prozesses gegen 15 Mitarbeiter des Rasse- und Siedlungshauptamtes Pläne bekannt:
âIch habe vĂśllig geheim den Auftrag gegeben, die Zentrale fĂźr die heute schon vorhandenen 400.000 Frauen, die durch den Krieg und die groĂe Anzahl Gefallener keinen Mann bekommen kĂśnnen, zu planen und auszubauen. Das Gebäude muĂ entsprechend dem edlen Gedanken und der Ehre der nichtverheirateten Mutter anständig und repräsentativ sein.â
â
Heinrich Himmler
:
Brief vom 8. Mai 1942 an
Oswald Pohl
Lebensborn-Heime
Viele Lebensborn-Heime wurden in enteigneten jĂźdischen Anwesen eingerichtet. Manche kamen auch als Schenkungen zum Verein. Bis zum 31. Dezember 1939 wurden in den Heimen etwa 770 nichteheliche Kinder geboren, davon befanden sich noch 354 in Lebensborn-Heimen.
Heime im Gebiet des damaligen Deutschen Reichs 1933â1945
⢠âHochlandâ in SteinhĂśring bei Ebersberg (1936âApril 1945) â bei Einrichtung: 50 Betten fĂźr MĂźtter (M) und 109 fĂźr Kinder (K)
⢠âHarzâ in Wernigerode im Harz (1937) â 41 M / 48 K
⢠âKurmarkâ in Klosterheide (1937â1945)cite-ref-16[16] â 23 M / 86 K
⢠âFrieslandâ auf dem Gut Hohehorst in LĂśhnhorst (heute Schwanewede im Landkreis Osterholz) bei Bremen (1937âJanuar 1941) 34 M / 45 K
⢠Kinderheim âTaunusâ in Wiesbaden (1939 â März 1945) â 55 K
⢠Kinderheim âMosellandâ in Bofferdingen bei Luxemburg (Sommer 1943 â September 1944)
⢠sonnenwieseKinderheim âSonnenwieseâ in Kohren-Sahlis bei Leipzig (1942) â 170 K
⢠Kinderheime âFranken Iâ auf dem Bocksberg in Ansbach-Schalkhausen und âFranken IIâ in der Heil- und Pflegeanstalt Ansbach (1944)
⢠Villa der Familie Mann in MĂźnchen, Poschinger StraĂe (Zentrale des âLebensbornâ von Dezember 1937 bis Dezember 1938)
⢠Heim âOstmarkâ, später umbenannt in Heim âWienerwaldâ in Feichtenbach, einer Katastralgemeinde von Pernitz (NiederĂśsterreich) â 49 M / 83 K, in dem im April 1938 âarisiertenâ ehemaligen Sanatorium Wienerwaldcite-ref-18[18]cite-ref-19[19]
⢠Ein ehemaliges Kinderheim in Neulengbach bei St. PÜlten in NiederÜsterreich, das jedoch nie als Lebensborn-Heim genutzt, sondern an die Wehrmacht weitervermietet wurde
⢠âHeimstättâ in Smoszewo/Regierungsbezirk Zichenau, Polen (April â Juli 1944) â 24 Holzhäuser fĂźr ledige MĂźtter
⢠âPommernâ in Bad Polzin in Pommern, Polen (1938 â Februar 1945) â 60 M / 75 K
⢠Bromberg in WestpreuĂen â erste Lebensborn-Vertretung auf von Haupttreuhandstelle Ost (HTO) verwalteten Immobilie gestĂźtzt. Vertretung 1942 liquidiert.
⢠Helenówek bei Lodz (Litzmannstadt), Polen, im Sommer 1941 gebildet; im Jßdischen Vorkriegswaisenhaus.
Generalgouvernement Polen
⢠Krakau â die Zweigniederlassung der Zentrale von Lebensborn im Generalgouvernement, an ul. Krupniczej 11 (damals AlbrechtstraĂe), die Tätigkeit der anderen Vertretungen in Polen koordinierend.
⢠Otwock bei Warschau â das Zentrum unter dem Namen âLebensborn Ostlandâ, zum Teil gebildet 1943 auf Grundlage der Infrastruktur des Sanatoriums âBrijusâ und des JĂźdischen Nervenkrankenhauses âZofiĂłwkaâ. Beide Einrichtungen sollten polnische Kinder germanisieren und sie fĂźr eine Adoption durch deutsche Familien vorbereiten. Zu diesem Zweck wurde extra eine von der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) gefĂźhrte Schule eingerichtet.
Belgien
⢠âArdennenâ in Wegimont bei LĂźttich (1943 â September 1944) â 30 M
Aufnahme fanden, dem Militärverwaltungschef Belgien/Nordfrankreich zufolge, âwerdende MĂźtter sog. germanischen BlutesâŚ, die von reichsdeutschen AngehĂśrigen der Wehrmacht oder fremdländischen AngehĂśrigen deutscher Hilfsorganisationen (Waffen-SS, Wallonische (SS-)Legion, Flämische SS, NSKK und dgl.), die sog. germanischen Blutes sindâ ein Kind erwarteten. Stillschweigend war der Lebensborn in Belgien offenbar dazu Ăźbergegangen, auch rein ausländische Kinder zu betreuen, deren MĂźtter und Väter keine deutschen StaatsangehĂśrigen waren.
Frankreich
Niederlande
⢠MĂźtterheim in Villa Kanjel in Maastricht (1940â1944)
⢠âGelderlandâ in Nimwegen â 60 M / 100 K (Heim nicht mehr in Betrieb genommen)
Norwegen
⢠âHeim Geiloâ (1942) â 60 M/20 K
⢠Kinderheim âGodthaabâ bei Oslo (1942) â 165 K (im Oktober 1943 mit 250 Kindern zwischen drei Monaten und vier Jahren belegt)
⢠âHeim Hurdalsverkâ (1942) â 40 M/80 K
⢠âHeim Klekkenâ (1942)
⢠âHeim Bergenâ in Hop bei Bergen (1943) â 20 M/6 K
⢠Kinderheim âStalheimâ (1943) â 100 K
⢠âStadtheim Osloâ (1943) â 20 M/6 K
⢠âStadtheim Trondheimâ (1943) â 30 M/10 K
⢠âHeim Osâ bei Bergen â 80 K (Heim nicht mehr in Betrieb genommen)
Im Laufe des Krieges wurden insgesamt 200 bis 250 norwegische Kinder in fßnf Lufttransporten in die Heime Kohren-Sahlis, Hohehorst und Bad Polzin gebracht. Sie wurden entweder von ihren Vätern aufgenommen oder kamen in Pflege, mit dem Ziel einer späteren Adoption.
Bis zum 30. September 1944 wurden 6584 Norwegerinnen â manche Quellen sprechen von etwa 8000 Norwegerinnencite-ref-simonsen-20-0[20] in die dortigen vĂśllig Ăźberbelegten Lebensborn-Entbindungsheime aufgenommen. Bis zum Ende der deutschen Besatzung wurden in den Heimen ungefähr 12.000 Kinder geboren.cite-ref-abe-10-2[10] Die Frauen wurden nach Kriegsende mit der offiziellen BegrĂźndung, man wolle mĂśgliche Geschlechtskrankheiten eindämmen, zuerst interniert.cite-ref-simonsen-20-1[20] FĂźr die spätere Diskriminierung dieser tyskerbarna (âDeutschenkinderâ) und ihrer MĂźtter, die man abwertend als tyskertøser, etwa: âDeutschenflittchenâ, bezeichnete, entschuldigte sich der norwegische Ministerpräsident Kjell Magne Bondevik im Jahre 1998.
Geburtenstatistik (auĂer Norwegen)
Bis zum Zeitpunkt insgesamt:
⢠31. Dezember 1939: 1571 (Lebendgeburten insgesamt) â davon ungefähr 770 unehelich geborene Kinder
⢠31. Dezember 1940: 2400
⢠1. April 1942: 3477
⢠30. September 1943: 5000
⢠11. Mai 1945: insgesamt 7000â8000 â davon knapp 5000 unehelich geborene Kinder
⢠11. Mai 1945: Heim âHochlandâ insgesamt 1438
Prozess gegen das SS-Rasse- und Siedlungshauptamt
In SteinhĂśring, dem ersten Lebensborn-Heim, endete auch das Projekt Lebensborn. Als die US-amerikanischen Truppen anrĂźckten, verbrannten die Angestellten die Originalpapiere und lieĂen die aus allen Heimen hierher evakuierten Kinder zurĂźck. Bei vielen Kindern konnte die Identität nicht geklärt werden.
Im Nßrnberger Justizgebäude wurde vor einem US-Militärgericht im Rahmen des so genannten RuSHA-Prozesses vom 1. Juli 1947 bis 10. März 1948 gegen 14 Beschuldigte verschiedener SS-Hauptämter verhandelt, darunter auch gegen 4 ehemalige fßhrende Funktionäre des Lebensborn. In den Anklagepunkten, die sich auf ihre Tätigkeit im Lebensborn begrßndeten, wurden alle Angeklagten freigesprochen.
Ihre aktive Rolle bei der Verschleppung und Zwangsadoptionen von etwa 250 osteuropäischen Kindern,cite-ref-21[21] ebenso wie ihre Beteiligung an der TÜtung behinderter Kinder wurde erst später bekannt.cite-ref-batzinger-22-0[22]
In der UrteilsbegrĂźndung hieĂ es unter anderem:
âAus dem Beweismaterial geht klar hervor, daĂ der Verein Lebensborn, der bereits lange vor dem Krieg bestand, eine Wohlfahrtseinrichtung und in erster Linie ein Entbindungsheim war. Von Anfang an galt seine FĂźrsorge den MĂźttern, den verheirateten sowohl wie den unverheirateten, sowie den ehelichen und unehelichen Kindern. Der Anklagevertretung ist es nicht gelungen, mit der erforderlichen GewiĂheit die Teilnahme des Lebensborn und der mit ihm in Verbindung stehenden Angeklagten an dem von den Nationalsozialisten durchgefĂźhrten Programm der EntfĂźhrung zu beweisen [âŚ] Der Lebensborn hat im allgemeinen keine ausländischen Kinder ausgewählt und ĂźberprĂźft. In allen Fällen, in denen ausländische Kinder von anderen Organisationen nach einer Auswahl und ĂberprĂźfung an den Lebensborn Ăźberstellt worden waren, wurden die Kinder bestens versorgt und niemals in irgendeiner Weise schlecht behandelt. Aus dem Beweismaterial geht klar hervor, daĂ der Lebensborn unter den zahlreichen Organisationen in Deutschland, die sich mit ausländischen nach Deutschland verbrachten Kindern befassten, die einzige Stelle war, die alles tat, was in ihrer Macht stand, um den Kindern eine angemessene FĂźrsorge zuteil werden zu lassen und die rechtlichen Interessen der unter seine Obhut gestellten Kinder zu wahren.â
â
Volker Koop:
âDem FĂźhrer ein Kind schenkenâ: die SS-Organisation Lebensborn e. V.
Wahrnehmung in der Ăffentlichkeit
Da die deutschen Lebensborn-Heime streng abgeschottet waren, entstanden bereits in der NS-Zeit GerĂźchte Ăźber den Lebensborn als Ort des Lasters, Ăźber Paarungszwang und Pornographie. Nach dem Untergang der nationalsozialistischen Diktatur wurden in BĂźchern und einigen Filmen (u. a. Lebensborn, BRD 1961, Pramen Ĺ˝ivota/Der Lebensborn, Tschechien 2000) die GerĂźchte von den âZuchtfarmen der SSâ weiter tradiert, wonach sich âfanatische BDM-Mädchenâ von âreinrassigen SS-Zuchtbullenâ hätten begatten lassen, um âreinrassigenâ Nachwuchs zu zeugen.
Zwar erwiesen sich die GerĂźchte, die Lebensborn-Heime seien SS-Bordelle gewesen, als haltlos, nicht aber die Tatsache, dass dort ledige MĂźtter Aufnahme fanden, die âden Zuchtkriterien der SS entsprachenâcite-ref-25[25] und meist ein Kind von einem SS-Mann erwarteten. Verheiratete Mitglieder der SS wurden geradezu aufgefordert, ihrer âvĂślkischen Verpflichtungâ nachzukommen und auch auĂerehelichen Kontakt mit hoch gewachsenen blonden âarischenâ Frauen zu pflegen, um âerbgesundeâ Kinder zu zeugen, im Sinne der Zucht einer âHerrenrasseâ. Sobald sie sich als Vater bekannt und vier eheliche oder uneheliche Kinder gezeugt hatten, wurden sie vom finanziellen Beitrag fĂźr Lebensborn befreit.cite-ref-abe-10-3[10] Die Schwangeren hatten in diesen Heimen Privilegien, konnten anonym gebären und anschlieĂend das Kind adoptieren lassen. Es wurde auch weiterhin fĂźr die Frauen gesorgt, die häufig in einem Lebensborn-Kinderheim als Pflegepersonal blieben. Dies galt jedoch nicht, wenn sie ein behindertes Kind zur Welt gebracht hatten. Diese Kinder wurden als âlebensunwertâ im Zuge der Kinder-Euthanasie ermordet, und die MĂźtter verloren alle Privilegien.cite-ref-batzinger-22-1[22] Denn natĂźrlich kamen in den Lebensborn-Heimen auch behinderte Kinder zur Welt, die in der Geburtenstatistik zumeist nicht genannt wurden. Oftmals genĂźgte eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, damit sie aus den Heimen entfernt wurden. Das einzige bekannte Dokument dazu lieferte der Heimleiter des Heimes Wienerwald, Norbert Schwab. Er schrieb von einer Ăberstellung eines behinderten Mädchens in die Kinderfachabteilung Am Spiegelgrund, die âim Sinne einer Ausmerze tätigâ sei.cite-ref-lilienthal-georg-26-0[26]
Tiefenpsychologische Untersuchung von ehemaligen Lebensborn-Kindern
Der MĂźnchener Kinderarzt Theodor HellbrĂźgge lernte 1946 sechs Lebensborn-Kinder kennen. Sie erschienen ihm âauffallend hĂźbschâ. Damals waren sie eineinhalb bis zwei Jahre alt. âBei näherem Zusehenâ, berichtete der Kinderarzt, âstellte sich indessen heraus, dass keines dieser Kinder laufen konnte, einige konnten kaum sitzen. Sie konnten nicht sprechen, sie konnten vor allem nicht lachen.â Kurz: Sie offenbarten nur allzu deutlich ihre Heimherkunft.cite-ref-27[27] Jahre später bemĂźhten sich T. HellbrĂźgge und die Psychologin Rosemarie Brendel, Adressen von Lebensborn-Kindern ausfindig zu machen. Von 1962 bis 1966 gelang es, 69 ehemalige Lebensborn-Kinder ausfindig zu machen. 40 von ihnen wurden eingehend medizinisch, psychologisch und tiefenpsychologisch untersucht. AuĂerdem wurden alle verfĂźgbaren Unterlagen Ăźber diese Jugendlichen studiert. Psychologische Tests lieĂen bei den ehemaligen Lebensborn-Kindern immer wieder Anzeichen fĂźr wirklichkeitsfremde Einstellung, StĂśrungen der Umweltbeziehungen, Angst, Haltlosigkeit, GefĂźhlsarmut, Kontakthemmungen erkennen. Etliche Jugendliche stotterten. FĂźnf nässten und koteten noch im Alter von mehr als 17 Jahren ein. Vielfach waren groĂe Erziehungsschwierigkeiten aufgetreten. ZwĂślf der 69 Jugendlichen waren in FĂźrsorgeerziehung gewesen. Durch Asozialität und Kriminalität war bereits â so T. HellbrĂźgge â âein nicht geringer Teil aufgefallenâ.cite-ref-28[28]cite-ref-29[29] Die Kinder mit ausgesuchtem Erbgut, die in Heimen zu ânordischen Prachtmenschenâ heranwachsen sollten, entwickelten sich somit ganz anders, als ihre geistigen Väter am Schreibtisch es sich vorgestellt hatten. Wie T. HellbrĂźgge selber sagte, deuten alle Erkenntnisse âvielmehr darauf hin, daĂ die Erlebnisse in der frĂźhen Kindheit fĂźr die spätere LebenstĂźchtigkeit oder -untĂźchtigkeit entscheidend sind.âcite-ref-30[30]
Selbsthilfegruppen der Kriegs- und Lebensborn-Kinder
Viele Kinder deutscher Soldaten (Besatzungskinder; in Norwegen Tyskerbarn genannt) sowie die Kinder aus Lebensborn-Heimen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg in den befreiten Staaten gemieden oder im Unklaren Ăźber ihre Herkunft gelassen. Auch in Deutschland wurden solche Informationen Ăźber Lebensborn-Kinder verschleiert; die vom âLebensbornâ gefĂźhrten Standesamtsunterlagen gingen bei Kriegsende verloren.cite-ref-31[31] Die Kindergeneration hat deshalb Selbsthilfegruppen zur Aufklärung ihres Schicksals gebildet.cite-ref-32[32] Im November 2006 trafen sich mehrere Lebensborn-Kinder Ăśffentlich in Wernigerode, um sich auszutauschen und um auf ihr Schicksal (psychische Belastungen, z. B. GefĂźhl der Entwurzelung) aufmerksam zu machen.cite-ref-33[33]cite-ref-34[34]
Erhalten gebliebene Akten und Dokumente des Lebensborn werden vom Internationalen Suchdienstcite-ref-35[35] und vom Bundesarchiv verwaltet. Der Verein kriegskind.de verĂśffentlicht auch Suchbitten von Lebensborn-Kindern.cite-ref-36[36]
Ausstellung
⢠Dokumentations- und Lernort Baracke Wilhelmine in Schwanewede-Neuenkirchen mit einer Sonderausstellung zum Thema âLebensbornâ und zum Lebensborn-Heim in Schwanewede-LĂśhnhorst.cite-ref-37[37]
⢠Ge(h)denken ist eine âmobile Ausstellungâ zur Geschichte des Lebensborn in MĂźnchen. Die als Web-App fĂźr Smartphones und Tablets konzipierte Anwendung bietet einen topographischen Zugang, der an die Geschichte des Lebensborn und die Betroffenen erinnert.cite-ref-38[38]
Siehe auch
Literatur
Fachliteratur oder Dokumentarberichte
Deutschland
⢠JĂśrg Albrecht: Rohstoff fĂźr Ăbermenschen. Artikel in: Zeit-Punkte, 3/2001, zum Thema Biomedizin, S. 16â18.
⢠Angelika Baumann, Andreas Heusler (Hrsg.): Kinder fĂźr den âFĂźhrerâ, Der Lebensborn in MĂźnchen. Schiermeier, MĂźnchen 2013, ISBN 978-3-943866-19-3.
⢠Wolfgang Benz, Hermann Graml, H. WeiĂ: Enzyklopädie des Nationalsozialismus. Digitale Bibliothek, CD-ROM, Band 25, Directmedia, Berlin 1997.
⢠Thomas Bryant: Himmlers Kinder. Zur Geschichte der SS-Organisation âLebensborn e. V.â 1935â1945. Marix, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-86539-265-7.
⢠Gisela Heidenreich: Das endlose Jahr. Die langsame Entdeckung der eigenen Biographie. Ein Lebensbornschicksal. 4. Auflage, Scherz, Bern 2002, ISBN 3-502-18315-5; Fischer-TB, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-596-16028-6 (die Spurensuche eines âLebensbornkindesâ in historischem Kontext).cite-ref-39[39]
⢠Marc Hillel: Lebensborn e. V.: Im Namen der Rasse. Paul Zsolnay Verlag, Wien/Hamburg 1975, ISBN 3-552-02736-X (aus dem FranzĂśsischen â Au nom de la race â Ăźbertragen).
⢠Dirk Kaesler: Lßgen und Scham. Deutsche Leben. Vergangenheitsverlag, Berlin 2023, ISBN 978-3-86408-303-7.
⢠Volker Koop: Dem FĂźhrer ein Kind schenken. Die SS-Organisation âLebensbornâ e. V. BĂśhlau, KĂśln 2007, ISBN 978-3-412-21606-1.
⢠Annegret Lamey: Kind unbekannter Herkunft: Die Geschichte des Lebensbornkindes Hannes Dollinger. WiĂner, Augsburg 2008, ISBN 978-3-89639-644-0.
⢠Georg Lilienthal: Der âLebensborn e. V.â Ein Instrument nationalsozialistischer Rassenpolitik. Neuausgabe, Fischer-TB, Frankfurt 2003, ISBN 3-596-15711-0 (Standardwerk, zuerst 1985).
⢠Georg Lilienthal: Lebensborn. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 830 f.
⢠Dorothee Neumaier: Das Lebensbornheim âKurmarkâ in Klosterheide. Historische und biografische Rekonstruktionen. Norderstedt 2024. ISBN 978-3-7597-1221-9
⢠Dorothee Neumaier: Dr. Hildegard Feith: Ărztin im Lebensbornkinderheim âSonnenwieseâ. Forschungsbericht, Hagen 2019, FernUniversität in Hagen.doi:10.18445/20190805-113757-0
⢠Dorothee Neumaier: Das Lebensbornheim âSchwarzwaldâ in Nordrach. Baden-Baden 2017, Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag/Reihe Geschichtswissenschaft, Bd. 32, ISBN 978-3-8288-3960-1.
⢠Dorothee Schmitz-KĂśster: âDeutsche Mutter, bist Du bereit âŚâ Alltag im Lebensborn. Berlin 1997; 5. Auflage, Aufbau-Taschenbuch-Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-7466-8094-8 (Zeitzeugeninterviews mit ehemaligen LebensbornmĂźttern und -kindern, Schwestern, Hebammen und Heimleitern).cite-ref-batzinger-22-2[22]
⢠dies.: Kind L 364. Eine Lebensborn-Familiengeschichte. 2. Aufl., Rowohlt, Berlin 2007, ISBN 978-3-87134-564-7 (Familiengeschichte ßber das Verschweigen, politische Irrwege, ßber Profiteure und deren Opfer, ßber MassenmÜrder, die gleichzeitig liebevolle Väter sein kÜnnen).
⢠dies.: Deutsche Mutter, bist Du bereit ⌠Der Lebensborn und seine Kinder. Erw. Neuaufl. Aufbau-Taschenbuch-Verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-7466-7085-0 (Erweitert durch Lebensbornkinder-Biografien, Namen und Fakten zu âHeim Frieslandâ).
⢠Dorothee Schmitz-KÜster, Tristan Vankann: Lebenslang Lebensborn. Die Wunschkinder der SS und was aus ihnen wurde. Piper, Mßnchen 2012, ISBN 978-3-492-05533-8 (20 Porträts mit Fotos von Tristan Vankann).
⢠Dorothee Schmitz-KĂśster: Unbrauchbare Väter. Ăber Muster-Männer, Seitenspringen und flĂźchtende Erzeuger im Lebensborn. Wallstein, GĂśttingen 2022. ISBN 978-3-8353-5325-1.
⢠Frank W. Steidler: Lebensborn e. V. der SS. Vom GerĂźcht zur Legende. In: Uwe Backes, Eckhard Jesse, Rainer Zitelmann (Hrsg.): Die Schatten der Vergangenheit. Impulse zur Historisierung des Nationalsozialismus. Propyläen, Frankfurt am Main 1990, S. 291â318.
Frankreich
⢠Marc Hillel: Au nom de la race. Fayard, Paris 1975, ISBN 2-253-01592-X.
⢠Katherine Maroger: Les racines du silence. Ăditions Anne Carrière, 2008, ISBN 978-2-84337-505-7.
⢠Boris Thiolay: Lebensborn. La fabrique des enfants parfaits. EnqĂŞte sur ces Francais nĂŠs dans les maternitĂŠs SS (Titel aus dem FranzĂśsischen Ăźbersetzt: Lebensborn. Die Fabrik der perfekten Kinder). Ăditions Flammarion, Paris 2012.
England/USA
⢠Catrine Clay, Michael Leapman: Master race: the Lebensborn experiment in Nazi Germany. Hodder & Stoughton, 1995, ISBN 0-340-58978-7.
⢠Deutsch: Herrenmenschen. Das Lebensborn-Experiment der Nazis. Heyne-TB, 1997.
⢠Larry V. Thompson: Lebensborn and the Eugenics Policy of the ReichsfĂźhrer-SS. In: Central European History, 4 (1971), S. 54â77.
⢠Trials of War Criminals before the Nuernberg Military Tribunals Under Control Council Law No. 10. Vol. 5: United States v. Ulrich Greifelt, et al. (Case 8: âRuSHA Caseâ). United States Government Printing Office, District of Columbia, 1950.
⢠Dieter Wältermann: The Functions and Activities of the Lebensborn Organisation Within the SS, the Nazi Regime, and Nazi Ideology. In: The Honors Journal, II (1985: S. 5â23).
⢠Kjersti Ericsson, Eva Simonsen (Hrsg.): Children of World War II: the hidden enemy legacy. Berg, Oxford u. a. 2005, ISBN 1-84520-207-4 (engl.; Aufsatzsammlung; mehrere Beiträge zum Thema âLebensbornâ).
Norwegen
⢠Küre Olsen: Krigens barn. De norske krigsbarna og deres mødre. Oslo 1998.
⢠KĂĽre Olsen: âVater: Deutscher.â Das Schicksal der norwegischen Lebensbornkinder und ihrer MĂźtter von 1940 bis heute. Campus, Frankfurt 2002, ISBN 3-593-37002-6.cite-ref-40[40]
⢠Andreas JĂźttemann: Die norwegischen Entbindungs- und Kinderheime der nationalsozialistischen Lebensborn-Organisation, 1940â1945. In: Der Gynäkologe, 12/2014: S. 182â184.
Belletristik
Nach Erscheinungsdatum:
⢠Will Berthold: Lebensborn. Roman aus Deutschlands dunkler Zeit. Piper, Mßnchen 1958.
⢠Judith Kuckart: Die schÜne Frau. Roman. Fischer, Frankfurt 1994, ISBN 3-10-041216-8.
⢠Nancy Huston: Lignes de faille. Actes Sud, Arles & LemÊac, Montreal 2007, ISBN 978-2-7427-6936-0.
⢠deutsch Ein winziger Makel. Roman. Rowohlt, Reinbek 2008, ISBN 978-3-498-02992-0; TB ebd. 2009, ISBN 3-499-24990-1.
⢠Sara Young: My Enemyâs Cradle. Houghton Mifflin Harcourt, Orlando (Florida) 2008, ISBN 0-15-101537-6 HC & Harvest, Paperback, 2008, ISBN 0-15-603433-6 (englisch).
⢠Rebecca Abe: Das Gedächtnis der Lßge. Skalding, Ebersdorf 2008, ISBN 978-3-940695-02-4.
⢠Anja Jonuleit: Herbstvergessene. Deutscher Taschenbuchverlag, Mßnchen 2010, ISBN 978-3-423-21540-4.
⢠JĂśrg S. Gustmann: Rassenwahn. Kriminalroman. Gmeiner, MeĂkirch 2012, ISBN 978-3-8392-1332-2.
⢠Roy Havelland: The Lebensborn Boy. Spionageroman. Vanadis, 2014, ISBN 978-1-5001-0445-0.
⢠Gustaaf Peek: Armin. Verlag Contact 2006/Verlag Querido 2015, ISBN 978-90-214-5928-8 (niederländisch).
⢠Ulrike Draesner: Die Verwandelten. Mßnchen 2023.
⢠Dirk Kaesler: Lßgen und Scham. Deutsche Leben. Vergangenheitsverlag, Berlin 2023, ISBN 978-3-86408-303-7.
⢠Caroline de Mulder: "La Pouponnière d'Himmler." Gallimard, Paris 2024, ISBN 978-2-07-303545-5.
Filme
⢠Zwei Leben. Drama. Deutschland 2012. Regie: Georg Maas. (Der Film erzählt die Geschichte von Katarine (Juliane KÜhler), die von ihrer norwegischen Mutter (Liv Ullmann) an das Lebensborn-Projekt gegeben wird. In der DDR wird sie als Spionin ausgebildet und kehrt mit 25 Jahren zu ihrer norwegischen Mutter zurßck.)
⢠Geheimsache Lebensborn. Dokumentarfilm. 2003. Regie: Beate Thalberg (Film Ăźber das bis dahin nicht untersuchte, einzige Lebensborn-Heim in Ăsterreich im ehemaligen Sanatorium Wienerwald Pernitz). ORF/Cultfilmcite-ref-41[41]
⢠Lebensborn â Gestohlene Liebe (tschechisch: Der Lebensborn â Pramen Ĺživota). Drama. Tschechien 2000. Regie: Milan Cieslar (Film Ăźber das Lebensborn-Projekt. PreisgekrĂśnte Aufarbeitung).
⢠ZĂźchten und vernichten â Rassenwahn und Weltherrschaft. Doku. Deutschland 1998, 45 Min.
⢠Um die eigene Identität betrogen. Lebensborn-Kinder. Geboren, verschleppt, ausgenutzt. ML mona lisa. ZDF 14. September 2013 (Video) (Memento vom 21. September 2013 im Internet Archive)
⢠Die Kinder der Herrenrasse. Das Lebensborn-Projekt. Spiegel TV, 2009, 51 min (Ăbernahme von BBC).
⢠In der Serie The Man in the High Castle tauchen viele erwachsene Lebensborn-Kinder auf, da die Serie in einer fiktiven Realität spielt, in der die Nazis den Zweiten Weltkrieg gewonnen haben.
⢠Der slowenische Dokumentarfilm Zajeti v izviru: slovenski otroci Lebensborna der Regisseurin Maja Weiss wurde im Jahre 2023 im Rahmen der Frankfurter Buchmesse (Gastland Slowenien) uraufgefßhrt.[1]
Simulationen
⢠My Child: Lebensborn. Norwegen 2018. Mehrfach ausgezeichnete Alltags- bzw. Erziehungssimulation der norwegischen Software-Entwicklungsfirmen Teknopilot und Sarepta Studio. Die Spieler begleiten ein adoptiertes Kind aus dem Lebensborn-Programm nach Kriegsende durch seinen Alltag in einem norwegischen Dorf.
Weblinks
Commons
: Lebensborn
â Sammlung von Bildern
⢠Satzungen des âLebensbornâ e. V.
⢠SS-Befehl fĂźr die gesamte SS und Polizei vom 28. Oktober 1939 â auch âZeugungsbefehlâ genannt
⢠dhm.de: Der âLebensborn e. V.â der SS (mit Digitalisat des Befehls)
⢠Artikel zum Lebensborn e. V. auf Shoa.de mit Literaturangaben
⢠Kalenderblatt Deutschlandradio
⢠Sie ist meine Mutter â Film in der ARD am 21. Februar 2007
⢠SS-âLebensbornâ: Die Kinderraub-Maschine der Nazis auf einestages (Spiegel Online)
⢠Else Oventrop â Oberschwester im âLebensborn e. V.â (einschl. Link zur kpl. Satzung)
⢠Joachim Gßntner: Geburtensteigerung nach Nazi-Art. Das SS-Bordell ist nur ein Gerßcht. In: Neue Zßrcher Zeitung vom 16. Juni 2014.
⢠Christina Schmidt: Die gebrannten Kinder In: www.taz.de, 4. Dezember 2017.
⢠Lebensborn. Die vergessenen Opfer BR Fernsehen. Ăsterreich 2019, gesendet 11. September 2019.
Selbsthilfevereine
⢠Lebensspuren e. V., Wernigerode, Deutschland
⢠Baracke Wilhelmine, Schwanewede, Deutschland
⢠Verein der dänischen Kriegskinder (inkl. Lebensborn-Kinder)
Einzelnachweise
cite-note-11. â Lilienthal (2005), S. 830.
cite-note-22. â Andreas Fasel: Verschleppte Kinder: Von Nazis der Identität und Kindheit beraubt. 7. März 2016 (welt.de [abgerufen am 17. Juni 2019]).
cite-note-33. â Volker Koop: Dem FĂźhrer ein Kind schenken. Die SS-Organisation âLebensbornâ e. V. BĂśhlau, KĂśln 2007, ISBN 978-3-412-21606-1, S. 155â159.
cite-note-44. â Lilienthal 2003, Seite 47; Statuten des Lebensborn e. V., Präambel
cite-note-koop-28-55. â Volker Koop: Dem FĂźhrer ein Kind schenken. Die SS-Organisation âLebensbornâ e. V. BĂśhlau, KĂśln 2007, ISBN 978-3-412-21606-1, S. 28.
cite-note-66. â § 8 der Ersten DurchfĂźhrungsverordnung zum ED vom 20. Juni 1933 (RGBl. I, S. 377)
cite-note-humann120-77. â Detlev Humann: Arbeitsschlacht â Arbeitsbeschaffung und Propaganda in der NS-Zeit 1933-1939. GĂśttingen 2011, ISBN 978-3-8353-0838-1, S. 120.
cite-note-88. â Enno Georg: Die wirtschaftlichen Unternehmungen der SS. Schriftenreihe der Vierteljahreshefte fĂźr Zeitgeschichte 7, Stuttgart: Deutsche Verlags-Anstalt, 1963, S. 19.
cite-note-99. â Isabel Heinemann: Rasse, Siedlung, deutsches Blut. Das Rasse- und Siedlungshauptamt der SS und die rassenpolitische Neuordnung Europas. GĂśttingen 2003, S. 102/BA NS 19/329.
cite-note-macardle-235f-1212. â Dorothy Macardle: Children of Europe. Victor Gollancz, London 1949, S. 235f.
cite-note-1313. â Brez starĹĄev, veÄino so Nemci pobili, in brez doma (âOhne Eltern, die meisten wurden von den Deutschen getĂśtet, und ohne Zuhauseâ). In: Wochenzeitung Dolenjski list, Novo mesto, Slowenien, 24. Januar 2008.
cite-note-1414. â Europäisch-Ungarisches Gymnasium Kastl, Klosterburg Details (Memento des Originals vom 27. Juli 2011 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂźft. Bitte prĂźfe Original- und Archivlink gemäà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.fw.hu
cite-note-151. Hitler wollte alle Kriegerwitwen in Gebärkasernen sperren. In: Wiener Kurier. Herausgegeben von den amerikanischen Streitkräften fßr die Wiener BevÜlkerung, 9. Oktober 1947, S. 4 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/wku
cite-note-1616. â Dorothee Neumaier: Das Lebensbornheim âKurmarkâ in Klosterheide. Historische und biografische Rekonstruktionen. Norderstedt 2024. ISBN 978-3-7597-1221-9
cite-note-1717. â Dorothee Neumaier: Das Lebensbornheim âSchwarzwaldâ in Nordrach. Baden-Baden 2017, Wissenschaftliche Beiträge aus dem Tectum Verlag, Bd. 32. ISBN 978-3-8288-3960-1.
cite-note-1818. â Projekt zum Heim Wienerwald bik.ac.at, Ludwig Boltzmann Institut fĂźr Kriegsfolgenforschung, 2022 laufend
cite-note-1919. â âWienerwaldâ Die Kinder aus Himmlers SS-Geburtsklinik orf.at, 20. September 2022, abgerufen am 20. September 2022.
cite-note-simonsen-2020. â Eva Simonsen: Into the open â or hidden away? â The construction of war children as a social category in post-war Norway and Germany. In: Nordeuropaforum (2006:2), S. 25â49 unter edoc.hu-berlin.de (PDF-Datei; 323 kB)
cite-note-2121. â Deutschlandradio-Webseite: dradio.de, Kalenderblatt
cite-note-batzinger-2222. â Irene Bazinger: Rezension, Kinderproduktion nach dem deutschen Reinheitsgebot. nadir.org (Memento vom 8. Oktober 2008 im Internet Archive)
cite-note-2424. â dradio.de, Kalenderblatt
cite-note-2525. â Eva-Maria GĂśtz, in: dradio.de, Kalenderblatt vom 15. August 2006.
cite-note-lilienthal-georg-2626. â Georg Lilienthal: Der âLebensborn e. V.â Ein Instrument nationalsozialistischer Rassenpolitik. Fischer [u. a.], Stuttgart 1985, ISBN 3-437-10939-1, S. 103.
cite-note-2727. â Lausch, E.: Nicht lachen, nicht weinen, nur schreien. Folge III. Heimkinder leiden an unheilbaren VerhaltensstĂśrungen. Zeit online 26. Oktober 1973
cite-note-2828. â Brisch, K. H.: Kinder ohne Bindung. Deprivation, Adoption und Psychotherapie, Hrsg. Theodor HellbrĂźgge, Klett-Cotte Verlag, 3. Auflage, Stuttgart 2006
cite-note-2929. â HellbrĂźgge, T.: Handbuch der Kinderheilkunde. Band Soziale Pädiatrie, Springer, 1966 S. 391
cite-note-3030. â K. P. Kisker, E. Meyer, C. Muller, E. Stromgren: Grundlagen und Methoden der Psychiatrie 2. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-642-67416-7, S. 713.
cite-note-3131. â Was der âLebensbornâ in Wirklichkeit war
cite-note-3333. â Nazi âmaster raceâ children meet, BBC News, 4. November, 2006 (englisch)
cite-note-3434. â Einstige Lebensborn-Kinder berichten von ihrem Schicksal, Volksstimme.de; 13. Mai 2014
cite-note-3535. â Archivrepertorien des Internationalen Suchdienstes, NS 1 â Lebensborn e. V., 1935â1945 its-arolsen.org, abgerufen am 29. März 2017.
cite-note-3636. â Suchbitten von Lebensborn-Kindern bei kriegskind.de (Memento vom 26. Juni 2012 im Internet Archive)
cite-note-3737. â Sonderausstellung Lebensborn
cite-note-3838. â Internetzugang zur Web-App âGe(h)denkenâ
cite-note-4141. â Lebensborn Feichtenbach. Besprechung des Films. Cult Film GmbH, Wien, abgerufen am 1. Februar 2023.